Narzissmus als Überlebenskampf

Narzissmus ist der ständige Kampf ums Überleben. Aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörung denken und handeln Narzissten im „Überlebensmodus“.

Wenn du inmitten eines Dschungels im Freien gefangen wärst, wäre es deine oberste Priorität zu überleben: Nahrung zu besorgen, um nicht zu sterben, und dich vor den wilden Tieren und der Unbilden der Umwelt zu schützen. Der Rest deiner Bedürfnisse würde den zweiten Platz einnehmen. Deine Existenz würde in den „Überlebensmodus“ eintreten, den gleichen Zustand, in dem die Narzissten leben. 

Sie brauchen Treibstoff, also verführen und entwerten sie ihre Bezugsquellen und setzen sich ständig dem Verlassenwerden aus. Sie denken nicht an die langfristigen Folgen ihres Verhaltens. Dafür bleibt keine Zeit. Sie befinden sich im „Überlebensmodus“, so dass sie nicht darüber nachdenken, was in 2 Jahren, oder 2 Monaten, oder sogar am nächsten Tag passieren wird.  Ihr Fokus liegt „im Moment“: die Deckung des dringenden Versorgungsbedarfs und die Bewältigung der Krise: Überleben. Alles andere ist zweitrangig.

Es gibt nur dieses „Jetzt“ und den dringenden Bedarf an Treibstoff. Deshalb reduziert sich das Leben des Narzissten meistens auf diese verzweifelte Suche nach Selbstwertgefühl und Befriedigung. Das drückt sich in dem Versuch aus, immer einen Fundus an Quellen für narzisstische Zufuhr zu haben (das narzisstische Harem), die Kontrolle zu haben, sich überlegen und mächtig über andere zu fühlen, und so die Haut zu retten, das heißt, die psychologische Existenz seines großen falschen Selbst. Immer und immer wieder.

Dies ist einer der Gründe, warum sie sich auf die emotionalen Reaktionen anderer konzentrieren, woraus sie narzisstische Zufuhr gewinnen, unabhängig von den menschlichen Kosten.  Der Zweck rechtfertigt die Mittel. 

Narzissmus: Gesetz des Dschungels

Aus Sicht der Opfer ist es Missbrauch. Doch die Narzissten werden sagen, dass sie nur versuchen zu überleben. Sie brauchen, was sie brauchen, und jeder, der ihnen über den Weg läuft, kann jederzeit als Quelle dienen. Es ist das Gesetz des Dschungels, das Gesetz des hungrigen Raubtieres und seiner Beute. Wenn du verhungern würdest und Essen stehlen müsstest, um nicht zu sterben, würdest du es tun. Es wäre dir egal, wenn du das Gesetz brechen würdest, oder die Situation der Person, von der du stiehlst. Im „Überlebensmodus“ ist alles, was zählt, dein eigenes Leben. So sehen Narzissten die Dinge. Ihre Mentalität ist so, dass sie sich missbräuchlich verhalten müssen, um zu überleben: manipulieren, täuschen, andere misshandeln, sie dominieren. Es gibt absolut nichts, was sie aufhalten könnte. Für die Person, die unter pathologischem Narzissmus leidet, geht es ums Überleben.

Ohne Nachschub an narzisstischer Zufuhr, ohne Treibstoff brechen sie zusammen und sterben. Deshalb können sie nicht aufhören, das zu tun, was sie tun.

Narzissten waren verletzte und vernachlässigte Kinder

Ihre ersten menschlichen Beziehungen, die wichtigsten, haben ihr Verhaltensmuster begründet. Sie glauben, dass ihre Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit und Zuneigung nicht befriedigt werden. Denn damals als Kinder wurden ihre Bedürfnisse nicht befriedigt, was in ihnen eine existenzielle Angst hervorrief. Durch diese existenzielle Angst wurde ihr Narzissmus überhaupt erst geschaffen.

Narzissmus ist Überlebenskampf verletztes Kind

Ihr ständiger Fokus ist: „Was ist mit mir?“ Sie haben kein Urvertrauen in das Leben erworben als Babies und Kleinkinder. Sie haben gelernt, dass sie anderen nicht trauen können und dass sich niemand um sie kümmern wird, wenn sie es nicht selbst tun. Sie haben gelernt, dass sie sich ausschließlich auf sich selbst, auf ihre Bedürfnisse konzentrieren müssen, um zu überleben und sind davon überzeugt, dass niemand sonst es tun wird.  

Dies führte dazu, dass sie nur ihre eigenen Bedürfnisse wahrnahmen, und jeden Versuch, sie die Bedürfnisse anderer Menschen berücksichtigen zu lassen, interpretieren Narzissten als Angriff und Ablehnung. Nur ihre Bedürfnisse und Gefühle zählen, und sie bestehen darauf, dass andere, insbesondere das Opfer, dasselbe glauben. Wenn dies nicht geschieht, bekräftigen sie ihre Vorstellung, dass sie um ihr Überleben kämpfen müssen, d.h. sich missbräuchlich verhalten.

Hinter dem Narzisst steht ein Junge oder ein Mädchen, das sich in einem besonders heiklen Moment seiner prägenden Jahre verlassen inmitten eines dunklen Dschungels fühlte. Um sich zu verteidigen und zu überleben, zog sie sich krankhaft in sich zurück und töte die Emotionen. Der Narzisst leidet nicht, aber er fühlt auch nicht. Diese Ideen blieben in seinem Kopf fixiert: 

Niemand wird sich um mich kümmern, wenn ich es nicht tue. Niemandem werden meine Bedürfnisse wichtig sein, wenn ich mich nicht um sie kümmere. Niemand wird meine Bedürfnisse anerkennen, wenn ich sie nicht dazu zwinge.

Leider ist der Narzisst in diesem starren und kindlichen Gedankengang gefangen. Er kennt keine andere Art zu sein und zu denken. 

Umdenken unmöglich

Die Vorstellung, dass es eine andere Lebensweise gibt, ist für sie völlig absurd. So lernte er zu überleben. Es ist, als würde jemand versuchen, dir zu sagen, dass du durch die Ohren atmen sollst. Das ist unmöglich. Den Narzisst zu bitten, nicht mehr so zu sein, wie er ist, ist gleichbedeutend mit dem Versuch, ihn davon zu überzeugen, sich nicht ausschließlich auf seine Bedürfnisse zu konzentrieren, d.h. seinen erwarteten Tod zu akzeptieren und sich nicht zu verteidigen. Das wird nicht passieren.

Der Narzisst ist mit seinen Bedürfnissen beschäftigt, kämpft mit seinen Dämonen, mit seiner Leere und kann sich nicht auf etwas anderes konzentrieren. In seinem Kopf ist das Leben ein dunkler und feindseliger Dschungel. Seine psychologische Existenz ist zu prekär.

Deine Bedürfnisse existieren einfach nicht oder sind eine Bedrohung für seine Existenz. Entweder du oder er, es gibt keine andere Möglichkeit. Jede Art von Beziehung zum Narzisst basiert immer auf dem gleichen Prinzip: Nur seine Bedürfnisse zählen, ihre Befriedigung ist der Mittelpunkt von allem, er wird nie etwas anderes akzeptieren.

Narzissmus ist Überlebenskampf innerer Käfig des Narzissten

Der Narzisst ist in den „Käfig“ seiner Abwehrmechanismen eingeschlossen. Er ist zu gebrochen, zu verwundet und leer, er kann nicht aus dem Abgrund herauskommen, in den er eingetaucht ist.  

Er weiß nicht, wie man aus sich heraus Selbstwertgefühl erzeugt, das man braucht, um zu funktionieren. Das ist seine Tragödie. Auch wenn er von Menschen umgeben ist, die sich scheinbar um ihn kümmern, wird es nie genug sein. Er ist jedem gegenüber misstrauisch, er verärgert jeden, er ist auf seine emotionalen Reaktionen angewiesen, um nicht zusammenzubrechen. Diese Abhängigkeit ist seine Schwäche, eine Realität, die er erbärmlich und hasserfüllt findet, und die sein größtes Geheimnis darstellt, etwas, das er nie gestehen wird. Narzissmus ist eine Sucht und der Narzisst ist süchtig nach narzisstischer Zufuhr.

Wenn du in einer Beziehung mit einem pathologischen Narzisst bist, denk daran, dass du mit jemandem interagierst, der sich einem täglichen Überlebenskampf gegenübersieht, der ständig mit jedem um ihn herum konkurriert und der extrem wütend und verletzt ist. Er glaubt, dass alles, was er tut, gerechtfertigt ist. Wenn du versuchst zu überleben, wie kann man dir die Schuld für etwas geben, was du tust, um nicht zu sterben? Und für den Narzisst geht alles ums Überleben. Seine Manipulationen, seine Lügen, seine Wut, sein falsches Selbst…. alles dient nur seinem Überleben.

Jedes Mal, wenn ihm NEIN gesagt oder etwas verweigert wird, überzeugt er sich selbst, dass er mit Händen und Füßen für die Versorgung kämpfen muss, angesichts einer Welt, die buchstäblich versucht, ihn zu vernichten. Jedes Mal, wenn er gebeten wird, rücksichtsvoll zu sein, freundlich zu sein, wird seine Vorstellung bekräftigt, dass er unwichtig und wertlos ist. 

Narzissten können sich in diesem Wettbewerb keinen weiteren Gewinner leisten. Ihr Überleben steht auf dem Spiel.

All das mag seltsam klingen aus empathischer Logik oder von einem emotional gesunden Menschen, aber es ist die tägliche Realität des Narzissten: das Überleben. Es rechtfertigt überhaupt nicht sein missbräuchliches Verhalten, aber es erlaubt uns zu verstehen, warum sie so sind, wie sie sind, und zu handeln, wie sie handeln.

Narzissmus ist ein existenzieller Albtraum

Narzissmus ist existenzieller Albtraum Krieg

Der Narzisst lebt in einem existentieller Alptraum. Durch sein Verhalten, durch seinen Umgang mit Menschen, die es gut mit ihm meinen, wird dieser Alptraum erst ausgelöst. Aber das sieht er nicht. Dass seine Partner sich von ihm abwenden, wenn er sie verletzt und quält, wenn er sie belügt und betrügt, das alles sieht er nicht. Aus seiner Sicht sind all die Misshandlungen, die Lügen und der Betrug nur notwendige Massnahmen in seinem Überlebenskampf. Er handelt aus seiner Sicht ständig aus Notwehr.

Der Narzisst liegt falsch, wenn er glaubt, dass das Problem in den anderen und nicht in sich selbst liegt, aber er leidet unter einer völlig verzerrten Wahrnehmung der Realität. Das Tragische daran ist, dass er durch sein unangemessenes Verhalten genau den Alptraum heraufbeschwört, den er so sehr fürchtet. Das Verlassenwerden, den Bruch von Liebes- und Freundschaftsbeziehungen, den Verlust seiner Arbeitsstellen und im schlimmsten Fall das Leben in Armut und Ausgrenzung, in die er sich selbst hineinmanövriert hat.